Fleischlos - leichter gesagt als getan?

Wie ihr ja bereits wisst liegt mir eine nachhaltige Lebensart sehr am Herzen und genau aus diesem Grund mache ich mir viele Gedanken um das Thema Fleischkonsum und die Frage: "Kann man Fleisch noch guten Gewissens essen?"

Auf ein paar meiner Gedanken, die ich mir um dieses kontroverse Thema mache, möchte ich in diesem Artikel eingehen und würde mich sehr über eure Sichtweisen dazu freuen. Wie dem auch sei, jetzt erstmal viel Spaß beim lesen :-)

Vor ca. einem Jahr habe ich für 5 Monate vegetarisch gelebt. Davon habe ich viel mitgenommen. Zu einen, dass es nicht schwer ist Rezepte zu finden die ohne Fleisch auskommen und dazu super lecker sind, aber zum anderen auch, dass mir das Fleisch einfach manchmal gefehlt hat. Ich hatte einfach manchmal Lust auf Fleisch und wenn ich mir dann gesagt habe "nein Julia! einfach nein!" kam auf der anderen Seite oft der Frust. Aus Frust habe ich dann doch leider des öfteren zu Dingen wie "Soja-Schnitzel" oder anderen Fleischersatzprodukten gegriffen wo man meistens den Blick auf die Rückseite der Verpackung meiden will.

Genau das war für mich einer der Gründe wieso ich mir an einem Punkt gesagt habe, dass es erstmal für mich reicht. Ich habe wieder angefangen Fleisch zu essen bzw. ich habe aufgehört mir das Fleisch zu verbieten wenn ich einfach wirklich Appetit dadrauf habe.

Aber es hat sich noch eine Sache verändert und zwar meine Einstellung dazu. Ich habe das Fleisch zu schätzen gelernt. All die Jahre davor war es für mich einfach selbstverständlich Fleisch zu essen. Ich habe es einfach nicht so wert geschätzt wie ich es heute tue. Deshalb war es mir auch egal, wenn das Fleisch mal nicht geschmeckt hat oder zäh war.. passiert nun mal. Aber heute bin ich da ganz anders. Wenn ich mich dazu entscheide ein Gericht mit Fleisch zu kochen, dann will ich dass es total super wird. Versteht mich nicht falsch, ich will das natürlich bei jedem Gericht was ich koche ;-)
Wenn ich zum Beispiel überlege eine Bolognese zu kochen, dann überlege ich genau wo ich das Fleisch hole (das war mir früher eigentlich auch recht egal. Ob es nun vom Discounter kommt oder vom Metzger). Ich liebe es Fleisch beim Bio-Metzger meines Vertrauens zu kaufen. Das klingt für die meisten vermutlich abschreckend, weil dann das Portmonait doch etwas mehr entlastet wird, als wenn man es beim Discounter um die Ecke kauft, aber wenn man nur sehr selten Fleisch kauft macht sich das auf jeden Fall ausbezahlt. Ich habe als Studentin auch nicht unbedingt den Luxus mir regelmäßig solche Dinge zu leisten, aber ab und an finde ich, dass ich das brauche auch wenn es dann Tags drauf nur Nudeln mit Tomatensauce gibt, das ist es alle male wert.


Ich würde gerne von mit behaupten können, dass mir Fleisch einfach nicht schmeckt, aber dann würde ich lügen. Ich betrachte die Dinge gerne realistisch. In Deutschland ist es nun mal so, dass die meisten Menschen gerne Fleisch essen. Erstens, weil es ihnen einfach schmeckt und zweitens, weil sie damit aufgewachsen sind und es nicht einsehen plötzlich dadrauf zu verzichten. Ich kann das, weil ich eben auch damit aufgewachsen bin, total nachvollziehen. Aber auf der anderen Seite studiere ich Oecotrophologie und sehe mich deshalb so ein Bisschen in der Pflicht die Dinge auch aus anderen Perspektiven zu betrachten. Der Klimawandel ist all gegenwärtig und das ist wohl mittlerweile auch in den kleinsten Fleckchen der Erde angekommen. Trotzdem wird überall immer mehr Fleisch konsumiert. Auch in Asien steigt der Fleischkonsum rasant an. Das sind alles Entwicklungen die Besorgniserregend sind und denen man wirklich viel mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Viele würden jetzt sagen oder denken "einfach keine tierischen Produkte mehr essen und Basta!". Natürlich, das wäre absolut super! Aber es wäre auch absolut unrealistisch. Und wie ich schon gesagt habe bin ich in solchen Dingen gerne realistisch, denn ansonsten wird Veränderung erschwert. Ich bewundere überzeugte Veganer, ich wäre gerne selber so standhaft. Für alle die aber Fleisch aus Überzeugung essen wollen muss man andere Alternativen finden. Dazu gehört aber nicht ein radikaler Verzicht auf alles was sie lieben. Ich denke, dass man sich für dieses Thema sensibilisieren muss, sich selbst Fragen stellen: "möchte ich Massentierhaltung unterstützen?" "Muss ich wirklich an 7 Tagen der Woche Fleisch essen, oder kann ich mich auf 3 Tage beschränken und dann gutes Fleisch kaufen?" "Welche Werte möchte ich meinen Kindern eines Tages mit auf den Weg geben?" und so weiter. Jeder muss für sich selbst zu einer Erkenntnis kommen. Für mich ist die Erkenntnis im Moment, dass ich meinen Kindern später sagen will, dass ich nicht nur da gestanden und nichts unternommen habe. Vielleicht werde ich ja irgendwann einmal umschwanken und komplett vegetarisch oder vegan leben. Im Moment esse ich etwa 1x die Woche Bio-Fleisch und fühle mich dabei wohl, weil ich dieses besondere Lebensmittel zu schätzen gelernt habe. Wer weiß wie ich in 1,2 oder 3 Jahren dadrüber denke. Was haltet ihr von Fleisch? :-)

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Kommentare: 2
  • #1

    Ralf Unger (Dienstag, 03 Oktober 2017 09:22)

    Ja, es stimmt. Ein Umdenken in Sachen Fleischkonsum ist angesagt. Jeden Tag Fleisch konsumieren ist einfach zu viel. Ich bin der gleichen Meinung: Lieber ein gutes Stück Fleisch und dafür an weniger Tagen. Belohnt wird man durch einen bewussteren Umgang mit diesem Lebensmittel und lernt es, dieses wertzuschätzen. Die Genussknospen auf der Zunge können sich so regenerieren. Überhaupt finde ich, dass ein bewussterer Umgang mit Lebensmitteln - sei es auch Obst und Gemüse, ja selbst Wein - uns nachhaltigere Geschmackserlebnisse bringt. Testen Sie mal: Zwei Tage strenge Diät und dann mal in einen Apfel beissen; Sie werden überrascht sein, wie intensiv der Geschmack plötzlich ist! Und nochmal zum Thema Fleisch: Ganz nebenbei setzt man der Massentierhaltung etwas Wirksames entgegen.

  • #2

    Susanne (Mittwoch, 11 Juli 2018 18:52)

    Hallo Julia, das ist ein ganz toller Bericht. Ich finde da ganz viele meiner Gedanken wieder Daumen hoch!!! Weiter so